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Das Wesen des Freimaurerbundes

Wie immer man die alte und  stets neue Frage: was ist Freimaurerei? beantwortet, wichtig ist, den  Freimaurerbund als Einheit von Idee, Gemeinschaft und symbolischem  Ausdruck zu begreifen. Diese Vielgestaltigkeit des Bundes erlaubt den  menschlichen Neigungen unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten. So mag der eine mehr von lebendiger geistiger Auseinandersetzung angezogen werden, der andere in der menschlichen Gemeinschaft der Loge das Wesentliche  sehen, und der dritte schliesslich in Symbol und Brauchtum das Zentrum  des Bundes erleben. Erfüllte Freimaurerei verwirklicht sich im  Zusammenspiel aller ihrer Elemente.

Die Loge

Das Einüben des Zusammenlebens  und Zusammenwirkens aller Brüder in der Loge erfordert  Aufeinanderzugehen in allen Lebenssituationen, Verständnis der  Charaktereigenschaften des anderen und Hilfsbereitschaft in der Not.

Freimaurerische Toleranz  bedeutet nicht desinteressiertes Geltenlassen anderer Auffassungen,  sondern die Bereitschaft, die Überzeugung des Partners - oder sogar  Gegners - in ehrlicher Auseinandersetzung zu respektieren. All dem  stehen oft egoistische Verhaltensweisen und andere menschliche  Unzulänglichkeiten im Wege. Deren Überwindung durch Gespräch Anleitung  und Vorbild ist fortdauernder Gegenstand freimaurerischer Arbeit.

Das Brauchtum

Der Freimaurerbund besitzt ein  überlieferte Brauchtum, dessen Ursprung die mittelalterlichen Bauhütten  sind. Die rituellen Arbeiten dienen

- der Einführung neuer Mitglieder in die Gemeinschaft,

- der Vertiefung menschlicher Bindungen innerhalb der Bruderschaft,

- der Besinnung auf die moralischen Normen des Freimaurerbundes,

- der Sammlung und Erbauung des einzelnen Bruders.

Der Freimaurerbund geht von der  elementaren Erfahrung aus, dass seelische Vorgänge für ihre dauernde  Wirksamkeit eines sinnlichen Ausdrucks bedürfen. Hierzu bedient sich die Freimaurerei einer Vielzahl von Symbolen und symbolischen Handlungen,  die zwar - oft nahe liegende - Ausdeutungen erfahren, jedoch nicht  verbindlich ausgelegt werden. So wird etwa das “Buch des Heiligen  Gesetzes” in aller Regel durch die Bibel dargestellt. Diese muss hier  jedoch weder als Ausdruck göttlicher Offenbarung noch als Aufzeichnung  menschlicher Geschichte angesehen werden, sondern kann allein als Symbol für die Gesamtheit sittlicher Normen und Werte aufgefasst werden.

Mit ihrem rituellen Gebäude  schafft die Freimaurerei Räume der Ruhe und Kontemplation, die gerade  der Mensch unserer Zeit oft entbehren muss. Dabei ist hervorzuheben, dass die freimaurerische Tempelarbeit die emotionale und rationale Seite des Menschen in gleicher Weise ansprechen kann. Handlungen, Worte und  Ausgestaltung des Tempels (Versammlungsraum) bilden eine ausgewogene Einheit.

Weltanschauung, Religion

Das freimaurerische Ritual  vermittelt Erfahrungen, die über das Alltagsleben hinausgehen. Dennoch  ist seine Wirkung rein psychisch und nicht übersinnlich oder gar magisch zu erklären. Die Freimaurerei beruht auf einer religiösen Grundlage,  insofern sie der Stellung des Menschen in der Welt und seiner Beziehung  zur Transzendenz in ihrem Brauchtum sinnlichen Ausdruck gibt. Dennoch  ist die Freimaurerei keine Religionsgemeinschaft. Sie kennt keine Dogmen und lässt jeder individuellen Überzeugung Raum. Der konfessionell  gebundene Freimaurer erfährt in der Loge keine Verachtung seines  Glaubens, und die enge Begegnung mit Andersdenkenden braucht ihn nicht  zu verunsichern. Eben um dies sicherzustellen, sind Diskussionen über  konfessionelle Fragen im Freimaurerbund nicht gestattet.

Die geistige Arbeit

Freimaurer sind sich bewusst,  dass sinnvolles Leben einzelner Menschen wie gesellschaftlicher Gruppen  zweierlei erfordert: Bescheidwissen über die Welt, in der man lebt, und  den Besitz von Überzeugungen, die das Handeln leiten. Die Logen sollen  durch Information und gemeinsames Nachdenken Orientierungshilfen geben.  Das Reflektieren der Wirklichkeit im Lichte von Menschlichkeit,  Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und sozialer Gerechtigkeit kann  zugleich Entscheidungsmassstäbe vermitteln.

Die Begriffe von Menschlichkeit  und Toleranz geben den Freimaurern die Möglichkeit Bedrohungen  aufzudecken und verantwortlich zu handeln.

Das Geheimnis

Die Freimaurerei ist kein  Geheimbund. Geschichte, Wesen, Ziele, Satzung und Namen der Vorstände  von Grosslogen und Logen sind öffentlich zugänglich. Selbst die Rituale  sind oft publiziert worden. Trotzdem halten die Freimaurer an der  Verschwiegenheit über die Einzelheiten ihres Brauchtums fest. Dieses  Schweigen schützt das Erlebnis und stiftet Vertrauen.

Andererseits wird jedoch auch  heute noch abgelehnt, dass freimaurerische Brauchtum und interne  Vorgängen des Bundes zu verbreiten. Durch ihre Preisgabe würde sich die  Freimaurerei nicht nur eines wesentlichen Elementes ihrer Wirksamkeit  nach innen und aussen berauben. Sie würde vor sich selbst unglaubwürdig  und gefährdete das auf Schweigen und Vertrauen beruhende innere Band.

Wohltätigkeit

Freimaurer  üben Wohltätigkeit als Individuen und als Loge nicht nur in finanzieller Form sondern auch durch Rat oder einfach Zeit haben.
Ob und wie  Unterstützung geleistet wird, richtet sich nach der Bedürftigkeit und  ist nicht davon abhängig, ob die Person dem Freimaurerbund angehört oder ob und wie die Einrichtung weltanschaulich oder religiös ausgerichtet  ist.

(C) RRGrundmann  2011

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